Wahre Wohltäter helfen Menschen

Machte 400 Uni-Absolventen glücklich, indem er ihre Studiendarlehen abzahlt: Robert F. Smith.

Der Name Robert F. Smith klingt unscheinbar. Wer ihn hört, denkt seit einer Woche jedoch an einen Menschen, der den Glauben an das gute Amerika wiederherzustellen hilft. Der Tech-Investor ist einer der reichsten Afroamerikaner. An der Abschlussfeier des Morehouse College in Atlanta verkündete er, er werde die Studiendarlehen aller 400 Abgänger des Jahrgangs 2019 abbezahlen. Das Institut schätzt das Total der Schuldentilgung auf 40 Millionen Dollar. Finanziell sind das für den Milliardär Smith Peanuts. Dennoch verbreitete sich die Kunde seiner Spende wie ein Lauffeuer, denn Smith handelte gleich dreifach richtig.

Erstens überraschte er alle, besonders die Empfänger seiner Gunst. In den Sitzreihen schauten sich die Absolventen gegenseitig an, flüsterten ungläubig: «Was hat er eben gesagt?» Zweitens griff Smith in dem auf afroamerikanische Männer ausgerichteten College Jugendlichen unter die Arme, die heute sind, was er einst war: Angehörige der am stärksten benachteiligten Minderheit im Land. Abgänger historisch schwarzer Colleges sind mit durchschnittlich 29000 Dollar um 32 Prozent stärker verschuldet als jene anderer öffentlicher Hochschulen. Drittens wird Smith hoch angerechnet, dass er etwas Konkretes gegen die Verschuldung junger Erwachsener aufgrund von Studiendarlehen unternahm. Natürlich konnte er nur ganz punktuell helfen. Selbst wenn es ihm Dutzende andere Reiche nachmachten, hätten sie keine Chance gegen den Berg von inzwischen 1,5 Billionen Dollar aufgelaufener «student loans».


Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt.


Das mindert aber nicht den Wert des Geldgeschenks. Von Schulden befreit zu werden, löst Glücksgefühle aus, das bezeugten die fast ekstatischen Reaktionen. Hilfe für Menschen, die man nicht persönlich kennt, ist der wahre Kern echter Nächstenliebe.

Bekanntlich wird in Amerika mehr Philanthropie betrieben als in irgendeinem anderen Land. Aber nicht alle Freigebigkeit ist löblich. Wenn sich Superreiche nach einer Karriere der Raffgier mit Geldspenden Denkmäler setzen, ist das oft eigennützig. Eben floh die Sackler-Familie, bislang eine wichtige Geldgeberin des Metropolitan Museum in New York, in Schimpf und Schande nach Florida, da ihre Firma Purdue Pharma mit Opiatschmerzmitteln Hunderttausende in den Tod durch Überdosierung getrieben hatte.

Robert F. Smith spendet natürlich auch Geld an Museen, Stiftungen und andere Institutionen. Auf nichts darf er jedoch stolzer sein als auf seine Geste für junge Absolventen. Mit ihr bestätigte er vierhundertfach eine tiefe Wahrheit: Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt.


Erschienen am 28. Mai 2019 in der Basler Zeitung.

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