Umgekehrter Rassismus in New York

Richard Carranza (links) wurde im März 2018 von Bürgermeister Bill de Blasio zum Schulkanzler ernannt. (Foto: NYC.gov)

Bezirk eins des öffentlichen Schulsystems im südlichen Manhattan sucht ab Herbst Lehrkräfte. Eine Ende April geschaltete Online-Annonce begann mit den üblichen Angaben. Jobtyp: Vollzeit, Salär: $24 bis $34 pro Stunde. Was folgte, war aber unerhört. Der Bezirk, hiess es, suche «teachers of color» – farbige Lehrer.

Unverblümt signalisierte die Schule, dass weisse Lehrerinnen oder Lehrer bei der Jobvergabe nichts zu suchen hätten. Das war ein klarer Verstoss gegen das Gebot der Neutralität bezüglich Rasse. Nach einer Vorschrift des bundesstaatlichen Büros für gleiche Beschäftigungschancen ist eine Jobanzeige illegal, wenn sie eine Bevorzugung enthält oder jemanden aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder anderen Charakteristiken davon abhält, sich für den Arbeitsplatz zu bewerben.

Nachdem ein früherer Lehrer die Annonce entdeckt und gemeldet hatte, wurde sie als «nicht autorisiert» vom Netz genommen. In Wahrheit entsprang die Anzeige aber dem Denken, das New Yorks Erziehungsbürokratie beherrscht. Abgesegnet von Bürgermeister Bill de Blasio, drückt Schulkanzler Richard Carranza seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr im Erziehungsdepartement ein Programm gegen die von ihm behauptete weisse Vorherrschaft durch.


Statt Harmonie verbreitet sich das Gift rassistischen Denkens.


Der Sohn mexikanischer Einwanderer glaubt, implizite rassistische Vorurteile seien an ungleichen Ausbildungsresultaten schuld. Bereits hat Carranza drei weisse Frauen aus Spitzenpositionen entfernt, nur wegen ihrer Hautfarbe, wie die Betroffenen in einer Gerichtsklage behaupten.

Den bisher strikt neutralen Zugangstest für Eliteschulen will er mit indirekten Quoten verwässern. Und zu Kosten von 23 Millionen Dollar will er allen 130000 Lehrkräften mit Umerziehungslektionen die rassistischen Neigungen austreiben.

Damit wird Carranza die – zugegeben grossen – Probleme des New Yorker Schulwesens mit seinen 1,1 Millionen Schülerinnen und Schülern jedoch nicht lösen. Es gibt keine Beweise für systemischen Rassismus bei Unterrichtenden oder in der Verwaltung. Carranza reitet auf dem Thema nur herum, weil er die Welt durch die Rassenbrille sieht. Sein Feldzug könnte übel enden. Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen werden steigen, Schulresultate leiden. Statt Harmonie verbreitet sich das Gift rassistischen Denkens. Die Annonce vom April war dafür ein Warnzeichen.


Erschienen am 11. Juni 2019 in der Basler Zeitung.

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